Vom Reden und Schweigen

„Den roten Faden musst Du behalten“ sagte mir ein Freund, am Sonntagabend Abend dreimal. Ich hatte es noch nicht geschafft. Und ich hatte es mir so fest vorgenommen.

Kurze Sätze.

und

Pausen.

Aber wäre das denn überhaupt noch ich? Ich habe nun mal viele rote Fäden. Ein ganzes Geflecht von roten Fäden, die alle verfolgt und gehalten werden wollen. Ist es mein Problem, wenn die anderen nicht mitkommen? Irgendwie nein. Und doch, irgendwie ja. Ich möchte doch einen DIAlog. Oder? Ich möchte doch Neues erfahren. Und ich möchte Gerechtigkeit. Ausgeglichenheit. Zumindest langfristig. Vielleicht ist es nicht in jedem einzelnen Gespräch zu erreichen. Aber auf die Zeit gesehen muss jeder das so empfinden. Es könnte auch arrogant wirken, habe ich gelesen, wenn man so schnell ist, dass die Anderen nicht mitkommen. Und das möchte ich keinesfalls. Ich sollte ihnen die Chance geben, mitzukommen, heisst es, ohne dass sie bei voller Fahrt auf einen D-Zug aufspringen müssen (so beschreibe ich es…). Und dann ist es ja nicht nur das rasante Tempo, sondern es sind dazu noch meine kreativen Verknüpfungen. Ich springe, sagen die anderen, von einem Thema zum anderen. Ja, und? Das macht doch die Stories gerade so lebendig. Ich verknüpfe, was irgendwie sowieso zusammengehört. Ist das so verkehrt? Was ist denn da nicht nachvollziehbar?

Andererseits frage ich mich in lichten Momenten immer mal wieder, warum es mir denn so wichtig ist, meine Highlights in episch auszubreiten, meine unbändige Freude zu teilen? Warum nur? Erzähle ich es überhaupt den Anderen? Oder mir selbst? Und kann ich mich nicht allein daran freuen? Wozu muss ich es mit-teilen? Ein altes Sprichwort fällt mir ein „Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude.“ Sag ich doch. Dachte ich auch.

Wenn sich der Andere sich aber nun gar nicht mitfreut, wenn ihn weder die Sache interessiert, noch wenn es ihn in irgendeiner Form so inspiriert wie mich. Wenn er mir statt dessen etwas entgegenwirft, wenn er einen Deckel auf meinen überschäumenden Kelch von Begeisterung wie auf eine Sektflasche drückt und festhält, damit der ja nicht hochgeht, wenn er einen Bremsklotz vor meine Füße knallt, die doch fast schon über dem Boden schweben, wenn er eine Wand aufbaut, an der ich mit meiner Energie ungebremst abpralle, so daß augenblicklich meine Hochstimmung auf Kühlschranktemperatur absinkt. Und wenn ich noch bei der nächsten Begegnung nach ein paar Tagen merke, es ist nichts, gar nichts hängengeblieben oder nur Fragmente, dann frage ich mich doch (endlich), was mache ich da??

Da ist es doch müßig zu erzählen… Dann ist doch jedes Wort zu schade, hervorgebracht zu werden, da ist doch jeder Satz zuviel, jede Story eine grenzenlose Verschwendung von Energie. Das muß ich mir doch einmal klarmachen. Da ist es doch besser, die Glücksmomente im eigenen Herzen zu bewahren und vielleicht in Texten, die bei irgend jemandem ankommen, der sie zu schätzen weiß, der sie behütet. Der sich mitfreut. Dessen Energie auch angekurbelt wird, der Fahrt aufnimmt. Ja, ein paar Menschen gibt es in meinem Leben, da ist es so. Und es gibt welche, da ist es manchmal so. Das sind (noch) die Glücksmomente. Und ich gebe ja auch zu, ich erlebe viel, finde so viel spannend, erzähle dann manchmal aus- und abschweifend. Denn ich habe so viele Geschichten. Ich werde das ausprobieren. Da kann ich mit meinem Tempo erzählen, so schnell ich tippen kann, darf ohne kreative Verknüpfungen erstellen und muss keine Rücksicht nehmen. Und lesen, lesen kann es jeder, den es dann interessiert, in seinem eigenen Tempo.

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