Wie von selbst

Ich liebe Geschichten, die sich wie von selbst entwickeln. Bei denen man am Anfang nicht ahnt, wo sie enden. Sie beginnen mit einem Satz, der überall stehen könnte. Eingeritzt in eine Baumrinde zum Beispiel. In den Sand geschrieben. Auf den Asphalt gemalt. Mit zartem Finger auf einen nackten Rücken gezeichnet, zärtlich, behutsam. „Schön dass es Dich gibt“ oder „Laß uns in die Sterne schauen“. Ich schliße die Augen und denke an den vergangenen Abend. Nirgends sind die kleinen und großen Lichtpunkte klarer zu sehen als hier am Meer. Kaum eine Lichtquelle stört beim Betrachten der über 100 Millionen Kilometer entfernten Himmelskörper. Grandios. Vielleicht gibt e heute wieder eine Sternschnuppe und ich kann mir etwas wünschen. Was wünsche ich mir wirklich? Was ist mir wichtig? Liebe, Gesundheit und dass sich einige meiner Träume verwirklichen. Und die weniger spektakulären Wünsche. Schönes Wetter, ein gutes Buch. Sätze, in denen ich mich wiederentdecke. Wie in der Geschichte „Als sie das Buch aufschlug“ So ein Satz könnte auch so lauten.. Diesmal wollte sie sich richtig erholen, allen Alltag hinter sich lassen. Abschalten eben. So wie es -zig Anzeigen von Reiseveranstaltern versprechen. Fliegen Sie los, schalten Sie ab vom Alltag. Alles leere Versprechungen? Sie schaute in den Himmel. Der grosse Wagen war deutlich zu sehen. Auch großer Bär genannt. Wie wäre es mit diesem Wagen zu reisen, in die Tiefen des Weltalls so wie Captn Kirk der Enterprise? Lässt er alles hinter sich? So einfach ist das nicht! Und manchmal wünschte ich, ich wäre wie mein Hund. So einfach. Tobt stundenlang wie ein Wilder, jagt am liebsten dem Ball hinterher, folgt und treu überall hin. Legt sich dann schlafen… und wenn er ausgeruht ist beginnt das Spiel von vorn. Sie macht sich anscheinend keine Gedanken, wie sie die Zeit am besten, am sinn-vollsten verbringt. Zugegeben, sie hat auch weniger Auswahl als ein Mensch. Und sie kann nicht alles, was sie will, zum BEispiel wenn sie an der Leine ist. Aber sind wir nicht auch oft an einer unsichtbaren Leine? Die GEschichte der Fösche fällt mir ein, die in einem Glas mit Deckel eingesperrt sind, sie springen eine zeitlang hoch und stoßen immer gegen den Deckel. Selbst als dieser weg ist, springen sie nicht höher, denn sie sind es so gewohnt. Sie kommen gar nicht auf die Idee, dass das Hindernis verschwunden sein könnte. Wie oft geht es uns auch so? Von der großen Lebenstorte leben wir oft nur ein, zwei Tortenstücke. Die anderen bleiben unberührt auf dem Teller, wir kommen gar nicht auf die Idee, sie anzurühren, wir nehmen sie manchmal nicht einmal wahr.  Oder sie scheinen wie hinter eine unsichtbaren Grenze. Was wäre, wenn wir plötzlich ein ganz neues Stück auf unseren Teller legten? Es würde sich sehr ungewohnt anfühlen und vielleicht Angst machen. Wir würden es ganz vorsichtig probieren, es auf der Zunge zergehen lassen und erst wenn wir merkten, der Geschmack ist gut, würden wir uns trauen, ein grösseres Stück zu nehmen, uns weiter vorzuwagen. Was, wenn sich erst der ganze Geschmack  entfaltet und uns eine neue Welt eröffnet!? Dann würde es uns leichter fallen, auch ein weiteres Stück zu kosten- und wir würden am Ende noch die ganze Torte essen, sprich, alle Möglichkeiten ausschöpfen. Welch gandiose Vorstellung! Und eine kleine Geschichte, begonnen mit einem Allerweltssatz, erschließt uns das ganze prallvolle Leben!

 

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