Der Wälzer

Für diese freien Tage habe ich mir IHN vorgenommen, den dicken Wälzer. Von meiner Freundin wärmstens empfohlen schlage ich den Prolog auf. Schon der erste Satz führt mich tief in die Seele des Protagonisten „Meine Heimat ist meine Wunde, aber sie ist auch mein Ankerplatz, mein sicherer Hafen“ Welch ein Satz! Alles und Nichts liegt darin. Die ganze Tragik eines Lebens. Ich übersetze „Meine Heimat“ mit „mein Zuhause“ formuliere um, und schon ist es MEIN Satz. Der Kommentar eines Freundes: Das ist wohl bei Vielen so! Ich fühle mich verstanden und wärme mich am Gleichklang. Bei aller Tragik, den die Ausage enthält. Und ein paar Seiten später ging es weiter… „Hinter uns lag ein Winter dumpfer Ernsthaftigkeit, in dem die Restbestände aller Illusionen und hochfliegender Träume aus meinen frühen Zwanzigern dahingewelkt und abgestorben waren, und für meine Träume hatte ich keine inneren Kraftreserven mehr“.
Ein genial geformtes Wordgebilde, aber das richtige als entspannende Urlaubslektüre?
Ich wollte es ja so. Einfach mal ent-spannen und nicht sinn-ieren. Nichts für mich. Jedenfalls nicht dauerhaft. Tiefe musste sein, war lebensnotwendig. Abschalten – eher schwierig. Kleine Tricks wie „tief in den Bauch atmen“ halfen da schon manchmal. Man hatte mir allerhand weitere Ratschläge mitgegeben, wie, ich solle den Computer zuhause lassen und das Handy und so weiter. Und ehrlich gesagt, machmal hatte ich jetzt das Gefühl, das wäre genau richtig. Nur nicht in diesem Moment, wo ich den Rechner für etwas nutze, was ich LIEBE. Schreiben nämlich. Ja, das geht auch mit Papier und Stift. Aber eben auch am Laptop. Ich mag das. Selbstbestimmt. Was stört sind unerwartete emails, die dann nach Beantwortung rufen, die ich im Moment nicht beantworten möchte, die ich aber dann doch beantworte. Heute jedenfalls. Morgen? Ein neuer Tag. Ein neuer Versuch. Richtig abschalten. Den dicken Wälzer zu lassen? Oder nur die beflügelnden Sätze herauslesen.
Alles liegt an mir, wie ich es (an)nehme, (zu)lasse. Jeden Tag neu.

So viele Möglichkeiten!

 

 

 

** Die Zitate stammen aus „Die Herren der Insel“ von Pat Conroy, verfilmt mit Barbra Streisand und Nick Nolte

 

 

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