Wie wundersam wandeln sich Worte

Worte ziehen ein

Worte treffen mein Herz, meine Seele, als ich sie morgens höre. Da ist zum Beispiel im WORT ZUM TAGE, Sonntags um 6:55 auf Deutschlandfunk Kultur. Oder die Sendung FEIERTAG um 7:05, gleich danach, dazwischen die Nachrichten, die für mich an der Stelle nicht wirklich passen wollen, es sei denn, so wie gestern, als der Papst zitiert wurde…Wir sollen aufhören zu jammern, sagte er, und uns von der Gier verabschieden… Ansonsten geht es ja vor allem immer wieder um die Zahlen…Zahlen der Pandemie…ich mag es nicht mehr hören.

Inspiration FEIERTAG

Andächtig lausche ich dann den Worten von Pfarrer Reinhold Truß-Trautwein, dem Rundfunkbeauftragten der evangelischen Kirche. Sein Text ist für mich wie eine weitere Bescherung heute, am 2. Weihnachtsfeiertag 2021. Ich notiere Zitate und Namen derer, die er zitiert. Einige Sätze erscheinen mir wie eine Offenbarung. Oft möchte ich dann die Sendung, die Worte, mit meinem Mann teilen. Und meistens kommen wir nicht dazu, was heisst, wie nehmen uns dafür nicht die Zeit, wir haben Anderes, Besseres zu tun? Was ist denn besser? Es ist ja Sonntag. Wir haben doch Zeit. Zeit fürs Wesentliche. Was ist Wesentlich? Alles so Fragen, die entstehen, auf die es wohl keine eindeutige Antwort gibt. Ja, der Gottesdienst, der hat einen festen Platz, den er ganz selbstverständlich einnimmt. Er gehört einfach zum Sonntag dazu, manchmal auf Deutschlandfunk, manchmal auf NDR Info. Eigentlich könnten wir auch mal Bayern oder MDR oder SWR hören. Aber auch das ist eingespielt. Die beiden Sender sind zwei unserer „Standard-Sender“ und fest eingespeichert. Klar, auch das kann man ändern…

Wie sich der Text unter 4 Ohren wandelt

Wenn die Predigt uns zu schwermütig erscheint, zu sehr auf das Leiden und den Schmerz schaut, schalten wir auch schon mal mittendrin um. Da sind wir uns oft einig;-) Vielleicht verpassen wir dann allerdings auch mal den entscheidenden Wandel im Text. Er könnte sich ja plötzlich drehen, zum Glauben, zu dem, was uns trägt. Zum FÜRCHTE DICH NICHT. Ich bin bei Dir. Oder zum „Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“. Eins der Lieblingszitate unseres Pastors. Heute (am 26.12.2021) war das zum Beispiel so. Darum sollte es ja eigentlich in diesem Text gehen: um den Wandel. Darum, wie sich ein Text manchmal ANDERS anhört, wenn ich ihn dann einmal höre, wenn wir ihn zu Zweit hören, wenn andere Ohren sind dabei. Ich höre dann scheinbar auch mit den Ohren meines Mannes. Ich finde die entscheidenden Textpassagen nicht mehr wieder. Sätze, die mich dermassen inspirierten, sind anscheinend weg oder sie haben eine andere Aussage bekommen. Das Grandiose scheint abhanden gekommen. Dafür werden neue Passagen sichtbar, kommen zu Ohren. Vielleicht hängt es ja auch mit der Urzeit zusammen. Morgens um 7:05 ist der Kopf noch leer, frei von Eindrücken des heranwachsenden Tages. Da landen die Botschaften ANDERS in den Gehirnwindungen. Da ist mehr Raum für das Spirituelle. Wenn ich erstmal das Frühstück vorbereitet habe und vielleicht dies und das abgewaschen, die Küche gefegt, die Reste vom Vorabend beseitigt, dann ist zu viel Alltag im Denken- Ja, so kann es sein.

Die Musik trägt uns gemeinsam

Und dann die Musik – oft gibt es schon bei den ersten Tönen ein Wiedererkennen, das haben wir doch schon selbst mit unserer Kantorei gesungen! Da ist eher Gemeinsames. Gemeinsame Erinnerungen, gelebte Musik mit unserer Kantorei, gleichzeitig die Geburtsstätte unserer Liebe. Dann werden die Ohren gespitzt. Mein Mann hört ganz sicher heraus, wenn der Chor sackt…da hat er ein feines Gehör. Für mich ist eher das Große Ganze wichtig. Klar, einigermaßen „sauber“ muss es schon sein. Und manchmal, zum Beispiel in der Weihnachts-Wunschmusik auf NDR Kultur war das Tollite Hostias aus dem Oratorio de Noël von Saint Saëns, dieses Jahr mein Lieblings-Weihnachtswerk s e h r s e h r l a n g s a m… . alles einer Frage der Gewohnheit. Und wenn uns die Musik im Gottesdienst auf dem einen Sender nicht gefällt, da sind wir uns oft einig, wie schön, dann wird auch umgeschaltet.

Wiedererkennen

Heute sind besonders viele wunderbare Zitate im FEIERTAG enthalten u.a. aus dem Buch „Vom Aufstehen“ von Helga Schuchardt. Ein wunderbarer Text. Als ich das Buch im Internet finde, kommt es mir erstaunlich bekannt vor…Moment mal.. das hat mir doch mein Mann geschenkt! Und ich habe irgendwann nicht mehr weitergelesen, weil es scheinbar zu wenig mit mir zu tun hatte…Und jetzt findet es auf diesem Weg wieder zu mir…

Ein Satz, eine Zeile, eine Botschaft landet direkt in meinem Herzen

Manchmal, wenn ich ratlos war oder auch traurig, in mich gekehrt oder mutlos, las oder hörte ich plötzlich einen Satz, eine Gedichtzeile, einen Liedanfang und ich spürte, hier ist er ja wieder, der Strom von Einverstandensein, der immer da war, da ist und da sein wird… …vielleicht hatte ich gerade auf einen solchen Satz gewartet, dann schrieb ich ihn auf, als Beweis, als Unterstützung, als Hoffnung. Das Wenige was Du tun kannst, ist viel (Albert Schweitzer) war so ein Satz…

Vom Aufstehen, Helga Schuchardt


Und den Text von Henning Luther- wo finde ich ihn? In einem Gemeindebrief aus NÜRTINGEN bei Stuttgart! Da war ich schon persönlich. Es ist ja nah bei Stuttgart, da wohnt meine Tochter. Mit Nürtingen verbindet mich etwas, ganz persönlich.


Schwach-sein-können
wird zur Stärke
Nicht immer schon wissen,
sondern fragen können
Nicht sich behaupten müssen-
sondern sich hingeben können.
Nicht fertig sein,
nicht erwachsen sein müssen,
sondern werden können, wachsen können.

Henning Luther

Übrigens, auf Deutschlandfunk Kultur ist die Sendung FEIERTAG von heute, 26.12.2021, nachzuhören. Ich finde, es lohnt sich in vielfacher Hinsicht. Die Musik war unter anderem eine Weihnachts-CD von Jethro Tull, nicht so meins. Ich bleibe da eher bei der Tradition, Händel, Bach, Saint Saëns.

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