Umgang mit Corona Angst, Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wie schaffen wir den Zusammenhalt?

Die Krise fordert uns extrem heraus. Wie können uns nicht wie gewohnt frei bewegen, uns treffen, wirklich in die Augen schauen, nahe sein. In den Arm nehmen. Wir müssen auf einen Video Call oder das Telefon zurückgreifen. Viele finden das nicht gleichwertig, brauchen das Gegenüber direkt, live vor sich. Streben danach, was „normal“ war. Ich dachte, es geht ohne die persönliche Begegnung und ich finde auch, dass Vieles möglich ist. Weiter Entfernte quasi im VideoCall nahe sein. Viele hätte ich ohne die Krise nie kennengelernt. Wir sollten das nutzen, was geht, anstatt sich ständig zu beklagen und etwas anderes zu wollen, was jetzt nicht gerade erlaubt oder förderlich ist. Rücksicht auf Alle. Dennoch habe ich selbst erlebt, dass eine persönliche Begegnung, ein Treffen „in echt“ die Verbindung anders stärkt, verändert.

Dazu komme die Herausforderung, mit der eigenen Angst und Unsicherheit, mit eigenen Fragen umzugehen und mit denen der Anderen und deren Gedanken, Sorgen, dazu noch mit Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern.

Die unterschiedlichen Sichtweisen

Ich erlebe, wie unterschiedlich die Menschen in meiner Umgebung, Familie, Freunde, Geschäftskollegen mit der Situation umgehen. Was mir hilft, ist, das Thema Corona auszublenden. Aber es holt mich, uns, auch immer wieder ein, sei es in den Nachrichten im Fernsehen oder Radio, in der Zeitung, im Gespräch. Immer wieder gibt es neue Fragen und wiederholte Fragen, wie geht es weiter, wann wird es endlich wieder normal, wann kann man sich treffen, ohne Maske, zusammen feiern, mindestens zusammen sein, auch in größeren Gruppen. Wird es je wieder „normal“, wie früher?

Was hilft?

Was hilft zur Verständigung, wie verhindern wir die Spaltung der Gesellschaft? Jeder sieht, wie immer, auch diese Krise auf seinem eigenen Erfahrungshintergrund. Es gibt ängstliche und weniger furchtsame und dann noch die Hartgesottenen. Wie immer, wenn es Konflikte und unterschiedliche Meinungen gibt, hilft wirkliches Zuhören, Nachfragen.

Du meinst, es ist GEN Technik im Spiel, wir werden manipuliert? Für Dich ist die Impfung also die beste Lösung? Du bist sicher, dass uns von der Politik reiner Wein eingeschenkt wird? Ungeimpfte hältst Du für rücksichtslos, nicht verantwortungsbewusst?

Es gibt zwei Hauptströmungen – und dahinter so viele Varianten, wie es Menschen gibt. Was zum Verständnis beiträgt ist, ins Gespräch zu kommen, versuchen wieder zu spiegeln, was ich verstanden habe, genau hin zu hören, zumindest versuchen, die Meinung des Anderen zu verstehen. Ich muss die Meinung nicht teilen, aber wenn ich sie verstehe, ist Vieles gewonnen. Woher kommt diese oder jene knallharte Ansicht. Und auch meine Gefühle, Ängste, Sorgen äussern, ganz persönlich – da ist schon viel gewonnen. Ich verstehe es dann besser, als wenn ich mich auf die Politik und den Main Stream verlasse. Und auch: Hintergrundinformationen zu Tests, zur Impfung, zum Virus sammeln.

Plötzlich kommt Corona nahe

Vielleicht hilft es auch, dem Thema eine verabredete Zeit zu gönnen und sich dann wieder anderen Dingen zuzuwenden.

Das geht ganz gut für mich, solange Corona nicht näher kommt, wie bei uns Ende 2020, als unser Freund anrief, er habe Corona. Es war an einem Sonntag nachmittag, wir sassen gemütlich beim Kaffee. Mit ihm war mein Mann 3 Tage vorher zu einer Abendandacht in der nahegelegenen Kirche…Mit wurde ganz anders, nur nicht besser…Mein Mann liess sich einige Tage später testen, um Klarheit zu bekommen. Am Ende: Alles gut gegangen für uns. Und unseren Freund hat es auch nicht so stark getroffen, dennoch hatte er länger mit den Nachwirkungen zu tun.

Und dann ausgerechnet Silvester, vor gut einer Woche. Meine Tochter rief an, gerade mal vor einer guten Stunde bei einer ihrer besten Freundinnen ganz in der Nähe angekommen, um gemeinsam den Jahreswechsel zu feiern. Mir war gleich klar, jetzt ruft sie an? Da stimmt etwas nicht. Und so was es auch. Ihre Freundin hatte zwei positive Testergebnisse. Da war guter Rat teuer. Die Gedanken und Phantasien stürmen auf mich ein, ich war aufgescheucht, wir waren in Aufregung, wie geht es jetzt weiter, muss sie 2 Wochen bei ihrer Freundin in Quarantäne bleiben, dürfen wir uns sehen?

Die vorläufige Entspannung trat – welch ein Glück, wie war ich dankbar! – schnell ein, denn die weiteren Tests waren negativ. Am nächsten Tag (Neujahr, was für ein Start..)dann doch noch ein PCR Test (nach 3 Stunden Wartezeit doch noch gemacht),das Ergebnis kam am 2. Januar morgens… negativ. Wir hatten glücklicherweise alle Drei 3 Tage vorher die booster Impfung erhalten, doch der Schutz war ja noch nicht voll wirksam.

Freunde und Familie

Meine ganze Familie und die meines Mannes ist fürs Impfen. Eine ganze Reihe meiner sehr guten FreundInnen ist dagegen. Ich finde es anspruchsvoll, sich bei den vielen verschiedenen Informationen eine Meinung zu bilden . Manchmal beneide ich die, die 100% überzeugt sind. Für sie gibt es keine zwei Meinungen. Und dann haben wir da ja noch die Verschwörungstheoretiker. Dazu gehören ja durchaus auch Ärzte und Wissenschaftler. Sie sind klar in der Minderheit und wirbeln dennoch viel Wind auf.

Meine Tochter hat andererseits einige Freunde, die im Pflegebereich arbeiten, im Krankenhaus. Direkt involviert. Ständig das Leiden vor Augen. Wer möchte mit denen tauschen? Sie sagt, alle die zweifeln, sollen mal mit denen reden. Ich finde, das ist eine sehr sehr gute Idee. Denn die dürfen ausbaden, was sich manche eventuell zu leicht machen, die noch auf der Intensivstation sagen, sie finden es richtig, sich nicht impfen zu lassen.

Eine Restunsicherheit bleibt auch bei mir, vielleicht auch meinem Harmoniebedürfnis geschuldet. Dem Verbindungsstreben. Eine Freundschaft möchte ich nicht aufgrund dieser Pandemie aufgeben. So bin ich persönlich immer wieder hin- und hergeworfen.

Mein Appell, redet miteinander, versucht zu verstehen, warum denkt der Andere genau so? Und sucht nach Gemeinsamkeiten, schaut weniger auf das Trennende.

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